2. FoLD-Treffen

Am Freitag, den 24. April, fand das zweite Treffen des Forschungsnetzwerks Liquid Democracy in den Räumen der Hertie School of Governance in Berlin statt. Diesmal bezogen sich die Impulsreferate der Teilnehmer*innen auf drei verschiedene Themenschwerpunkte: Aktuelle und geplante Forschungsprojekte, derzeitige Praxisprojekte auf den Adhocracy-Beteiligungsplattformen sowie einen Ausblick auf zukünftige Projekte und die Weiterentwicklung von Adhocracy. Abgerundet wurden die Vorträge von einer Abschlussdiskussion zur Zukunft des Forschungsnetzwerks. Mehr als 40 Teilnehmer*innen aus Wissenschaft und Praxis spiegelten auch diesmal den interdisziplinären Ansatz wider.

Interdisziplinär aufgestellt ist auch das geplante Forschungsprojekt der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, über das Dr. Tobias Escher berichtete. Unter der Leitfrage „Unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen kann internetvermittelte kooperative Normsetzung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen realisiert werden?“ sollen in einem breit aufgestellten Projekt Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen gemeinsam zur Zukunft von Onlinepartizipation forschen.

Einer der Schwerpunkte war auch die Beteiligungsplattform der Enquetekommission “Internet und digitale Gesellschaft”, welche von von Katharina Frier-Obad (Sekreteriat, Deutscher Bundestag) vorgestellt wurde. Im Konsens mit Katharina Großes (Zeppelin Universität) Vortrag über die Nutzerbefragung von enquetebeteiligung.de kommen beide zu dem Schluss, dass die Enquetebeteiligung insgesamt erfolgreich war. Es herrschte ebenfalls Konsens darüber, dass die parlamentarischen Arbeit stark standardisiert ist und die Anpassung an einen Online-Beteiligungsprozess längst überfällig war. Für zukünftige Beteiligungsprojekte wurde für wichtig befunden, den Bürgern ein direktes Feedback zu geben und darauf hinzuweisen, dass parlamentarische Arbeitsprozesse oft sehr lange dauern. Dies war, so Katharina Großes Fazit, nicht allen Bürgern bewusst. Zudem soll in zukünftigen Projekten aufgrund der quantitativ eher niedrigen Beteiligung auf eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit wert gelegt werden.

Die dabei aufgeworfene Frage nach dem Erfolgskriterium von Beteiligungsprojekten wurde immer wieder in den Vorträgen und Diskussionen aufgegriffen. Der Konsens war, dass Quantität alleine kein Erfolgskriterium sein kann, sondern insbesondere die Qualität der Beiträge berücksichtigt werden muss. Diese war bei enquetebeteiligung.de überraschend hoch (zwei Beiträge von der Beteiligungsplattform wurden mit exaktem Wortlauf in den Abschlussbericht der EIdG augenommen).

Ein weiteres zentrales Thema war die Transparenz der Beteiligungsprozesse. Saskia Fritsche vom deutschen Institut für öffentliche Verwaltung Speyer thematisierte die Transparenz als qualitative Stellschraube, welche sich verfassungsrechtlich begründen lässt. Jedoch sei eine verbindliche Klarnamenregistrierung aus Datenschutzgründen problematisch. Für Transparenz politischer Diskurse und Partizipation in der Forschungmittelvergabe setzt sich auch Dr. Stella Vecciana (Vereinigung deutscher Wissenschaftler e.V.) mit ihrem Praxisprojekt Forschungswende ein.

Um Jugendpartizipation ging es in den Projekten “Stadt!Macht!Schule” und “Youthpart”. Sören Bachmann von der Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik berichtete über das Partizipationsprojekt “Stadt!Macht!Schule”, welches Hamburger Schüler an der Planung des Stadtentwicklungsvorhabens „Mitte Altona“ beteiligt. Er lobte die Kombination aus Online- und Offlineverfahren als sehr erfolgsversprechend, wies aber auch darauf hin, dass die Nutzungsinstensität der jugendlichen Teilnehmer dennoch insgesamt hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Jürgen Ertelt (IJAB) ergänzte, dass Jugendbeteiligung feste Spielregeln braucht und man die Festsetzung der Regeln auch als Beteiligungsprozess an den Anfang eines Projekts stellen könnte.

Abgerundet wurden die spannenden Vorträge und Diskussionen von einer Abschlussdiskussion über die Zukunft des FoLD-Netzwerks. In Zukunft wird das FoLD Treffen ein- bis zweimal Jährlich abwechselnd bei allen Mitgliedern stattfinden. Zudem wurde angeregt, begleitend zu einzelnen Themen Workshops anzubieten.

Wir bedanken uns bei allen anwesenden Mitgliedern für einen spannenden und informativen Austausch und bei der gemeinnützigen Hertiestiftung, die mit ihrer Unterstützung wesentlich zur Durchführung des Workshops beigetragen hat.


Vorträge


Dr. Tobias Escher (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) – “Internetvermittelte kooperative Normsetzung”


Katharina Große (Zeppelin Universität) – “Erfolg der Enquetebeteiligung”


Saskia Fritzsche (Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer) – “Beteiligungstransparenz von Online- Bürgerbeteiligungsverfahren als qualitative Stellschraube partizipativen Verwaltungshandelns”


Nicolas Dietrich (Liquid Democracy e.V.) – “Adhocracy – wohin, woher, warum?”


Daniel Reichert (Liquid Democracy e.V.) – “Künftige Projekte”


Jürgen Ertelt (IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V) – “Youthpart”


Dr. Stella Veciana (Vereinigung deutscher Wissenschafter e.V.) – “Projekt Forschungswende”


Sören Bachmann (Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik) – “Projekt Stadt!Macht!Schule!”


Weiterführende Links & Informationen


Mehr Beteiligung realisieren durch digitale Medien und Internet – ePartizipation schafft gestaltende Zugänge für Jugendliche zur Demokratieentwicklung” – Gastbeitrag von Jürgen Ertelt.

“Mehr Beteiligung realisieren durch digitale Medien und Internet – ePartizipation schafft gestaltende Zugänge für Jugendliche zur Demokratieentwicklung” – Gastbeitrag von Jürgen Ertelt, zweiter Teil.

“Forschngsprojekt “Erfolg der Enquetebeteiligung” der Zeppelin Universität” – Informationen zum Forschungsprojekt sowie der komplette Bericht.